Schuttberge überall
Augenzeugen-Bericht: US-Soldat Lieutenant Robert G. Botsford vom 20. Oktober 1944

"Die meisten Straßen Aachens sind höchstens zu Fuß passierbar, viele der schmaleren Alleen überhaupt nicht. Einige wenige Hauptverkehrsstraßen sind weiterhin für den Fahrzeugverkehr geöffnet. Hauptsächlich deshalb, weil sie breit genug sind, um das Umfahren der Gebäude zu erlauben, die mit ihren Trümmern die Straße blockieren. Zwar haben einige Stadtteile weniger stark gelitten als andere, dennoch kann der Vergleich nur nach den Kategorien „beschädigt“ oder „zerstört“ erfolgen. Bei einer Erkundung von vier Fünfteln der Stadt wurde nicht ein Gebäude festgestellt, das nicht wenigstens durch Explosionsdruck beschädigt worden war. Große Teile der Stadt hatte der intensive Bombenflächenabwurf zwangsläufig in formlose Geröllhalden verwandelt. Von zahlreichen Gebäuden standen nur noch die Außenwände. Grob geschätzt sind das ungefähr 60 Prozent der Bauten.
Gewöhnliche Luftschutzkeller konzipiert für den vorübergehenden Aufenthalt bis zur Entwarnung waren, wenn man den zahllos zurückgelassenen persönlichen Gegenständen Glauben schenkt, mit dort dauerhaft Unterschlupf Suchenden hoffnungslos überfüllt. Die meisten dieser Schutzräume waren allerdings durch die Explosionen so erschüttert worden, dass sie an vielen Stellen undicht wurden und jetzt ein Fuß, das sind 30 Zentimeter, unter Wasser stehen. Vielerorts in der Stadt hatten die Zivilisten aus den überall herumliegenden Trümmern Behelfsunterkünfte errichtet. Zwar boten diese Unterkünfte Schutz allein gegen Regen, nicht aber gegen fallende Bomben.
Die eindrucksvollsten Schutzbauten waren die durch die Stadt errichteten Luftschutzbunker, vierstöckige Gebäude aus Massivzement ohne Fenster und mit eingeschränkter Be- und Entlüftung über 3 Zoll Rohrleitungen. Es wurden so viele Zivilisten mit all ihren persönlichen Hab und Gut hineingezwängt, bis wirklich kein Platz mehr war. Erst jetzt, werden die entsetzlichen Bedingungen sichtbar mit denen diese Menschen während der Belagerung lebten. Es gab keinen Strom und da die Mauern vollständig gegen Licht abgedichtet waren, bildeten Kerzen und Laternen die einzige Lichtquelle. Das Wasserverteilungsnetz brach frühzeitig zusammen und jedwede Hygiene war unmöglich. Der Gestank, die Überbelegung der Luftschutzkeller und die drastisch eingeschränkte Ventilation war und ist verständlicherweise ekelerregend."