Endlich raus!
Chaos herrschte in den letzten Oktobertagen in Aachen. Die Bunkerbewohner irrten zwischen den Fronten umher. Militär und Verwaltung hatten bereits den Rückzug angetreten. Die Bevölkerung sollte auch in Sonderzügen das Kampfgebiet verlassen. Doch diese Züge gab es nicht. Wer einen Bunkerplatz hatte, blieb.
Das Ende der Kriegshandlungen in Aachen Mitte Oktober 1944 erlebte Gisela Wetzler im Bunker. Sie schrieb ihre Erlebnisse im Gedächtnisprotokoll:
So sind wir denn gegen 17 Uhr zum Nordbahnhof gezogen und erlebten dort die entsetzliche Enttäuschung, dass auch nicht ein Sonderzug für uns bereitstand. Der einzige normalverkehrende Zug kam und fuhr nur bis Jülich und konnte nur einige wenige von der großen dort wartenden Menschenmasse mitnehmen. Kein Mensch war da, der auch nur in etwa Bescheid wusste was zu tun war, wir waren uns vollkommen selbst überlassen.
Plötzlich eintretender Großalarm ließ uns alle in den Bunker flüchten (Scheibenstr.). Partei, Behörden und amtliche Stellen hatten die Stadt bereits verlassen. Nach Mitternacht kam plötzlich ein Abgeordneter der Partei in den Bunker und forderte uns auf umgehend den Bunker zu verlassen, da wir andernfalls Volksverräter seien. Sonderzüge, so sagte er weiter, ständen bereit und brächten uns rechtsrheinisch. Die ersten hatten bereits den Bunker verlassen, als plötzlich ein starkes Artilleriefeuer einsetzte, sodass es der Mehrzahl überhaupt nicht mehr möglich war, hinauszugehen. Zu diesen gehörten wir auch und warteten den kommenden Morgen ab.
Was waren wir erstaunt, als an diesem Morgen diejenigen, die nachts aus dem Bunker weggegangen waren wieder erschienen. Sie hatten ihre Not gehabt, den Bahnhof zu erreichen, doch vergebens. Weder ein Zug noch Personal noch irgendein Mensch, der sich damit befasste, war zu sehen. Wie aufgebracht und erbost die Bevölkerung durch dieses Verhalten der amtlichen Stellen geworden war, lässt sich ja denken. Jetzt konnte kommen wer wollte, so sagten sie sich alle, wir gehen nicht mehr weg aus den Bunkern. Der Bunkerwart hatte unterdessen Folgendes bekanntgegeben: da die Feindtruppen bedenklich nahe gerückt waren, wollte er, unter allgemeiner Zustimmung, die weiße Flagge hissen. Alle Waffen wurden eingesammelt und wir erwarteten nun den Engländer.