Zwangsarbeit
Der Bunker an der Scheibenstraße wurde geplant von dem Aachener Architekten Wilhelm Schmitz-Gilles. Unter der Leitung des Aachener Unternehmens Derichs u. Konertz errichtete das 35. Zwangsarbeiter Baubataillon unter schwierigsten Bedingungen ein Bollwerk aus Stahlbeton.
Die hauptsächliche Nahrung der Arbeiter bestand auch hier in Aachen aus wässrigen Suppen und dem berühmt gewordenen ,,Russenbrot“, einer mehligen Mischung aus Sägemehl und Laubresten als Basis. Oft waren die Arbeiter so entkräftet, dass man sie vorrübergehend zum ,,Auffüttern" bei Bauern einsetzte. Die Arbeiter, die diesen enormen Belastungen nicht gewachsen waren, starben oftmals auf den Baustellen. Und wenn man durch einen solchen Bunker geht, dann geht man auch immer über einen Friedhof von Arbeitern, die einfach im frischen Beton zurückgelassen wurden. Bis heute einbetoniert in einem Schutzraum, in dem sie selbst im Falle eines Angriffs niemals Schutz hätten suchen dürfen.

Als Zwangsarbeiter*innen sehen wir die Menschen an, die gegen ihren Willen, unter Vorspiegelung falscher Tatsachen in der deutschen Kriegs- und schnell auch der deutschen Zivilwirtschaft arbeiteten. Auch in Aachen gab es eine Vielzahl von Lagern, oft von der NS aber auch von Unternehmern geführt. Die Zwangsarbeiter waren der absoluten Willkür ausgesetzt.
Es ist bekannt, dass es im Stadtgebiet Aachens über 30 große Zwangs- und Kriegsarbeiterlager gab und dass sich im Gestapo-Keller in der Aachener Theaterstraße Monster in Menschengestalt an halb Verhungerten vergingen, weil diese Essensreste gestohlen hatten.
Auch in Aachen war dies ein Grund von einem Gericht zu Tode verurteilt zu werden. Und trotzdem kommt ein Anfang 1952 beauftragtes Gutachten zu dem Schluss, dass es in Aachen keine Zwangsarbeiter gab. Und trotzdem waren die Aachener Richter, die 1943 Menschen zum Tode verurteilten, weil sie vor Hunger schmutzige Teller abgeleckt hatten, statt sie in der Werksküche eines Aachener Süßwarenherstellers zu spülen, bereits wenige Jahre nach dem Krieg wieder Richter und Staatsanwalt an einem Aachener Gericht.