Bunkerbau

Für den Bunkerbau mussten in den Städten zunächst geeignete Grundstücke gefunden werden. Das jeweils örtliche Luftschutzbauamt erhielt für den Ankauf nahezu unbegrenzte Mittel aus Berlin. Die regionalen Parteifunktionäre und die mit der Grundstückssuche beauftragten Gauleiter erkannten aber schnell, dass sich die enormen finanziellen Mittel sich recht leicht in die eigenen Taschen umleiten ließen.

Man brauchte, statt anzukaufen, einfach nur zu enteignen. So suchte man bevorzugt Gewerbegrundstücke jüdischer Familien. Schnell erkannte man, dass das Siedlungsverhalten jüdischer Familien, die seit dem Mittelalter immer in guten Lagen etwas entfernt des eigentlichen Stadtzentrums an verkehrsgünstig gelegenen Kreuzungen oder Plätzen gesiedelt hatten, ideale Grundstücke für den Bunkerbau beinahe zum Nulltarif bot.

/images/bunker/themen/bunkerwart-büro.jpgSchreibtisch des Bunkerwarts

Das Grundstück an der Ecke Scheibenstraße war in den Jahren 1935 bis 1938 ein unbebautes Gewerbegrundstück auf dem zunächst eine Holzhandlung und bis 1941 dann eine Eisenwarenhandlung war. Die Namen der damaligen Besitzer lassen nicht auf einen jüdischen Ursprung schließen.

Damals konkurrierten die großen, bereits überregional tätigen Bauunternehmungen wie Phillip Holzmann, Dywidag und andere mit kleineren, regionalen Bauunternehmungen, um den Zuschlag für den Bunkerbau zu erhalten.

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Den Zuschlag für den Bunkerbau an der Scheibenstraße erhielt die Aachener Firma Derichs und Konertz. Gezeichnet wurde der Bunker von dem Aachener Architekten Wilhelm Schmitz-Gilles. Am Anfang war alles im Überfluss vorhanden, Beton, Stahl, Schalmaterialien und natürlich auch deutsche Facharbeiter. Der voranschreitende Krieg und Hitlers wahnsinnige Baupläne verschlangen Unmengen von Material: 7.000 m³ in Stahlbeton - 200 m³ in Ziegeln - 18 m³ in Kalksandstein.

Bereits 1941 stockte der Bunkerbau, doch durch einen Zufall eroberte die Wehrmacht beim Überfall auf Polen drei große Zementwerke. Und so wurden viele der deutschen Bunker mit polnischem Zement gebaut.